| Allgemeine Rhetorik: Stationen der Theoriegeschichte
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Rhetorische Quellengeschichte
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: Allgemeine Rhetorik: Stationen der Theoriegeschichte (Taschenbuch) Joachim Knape, Professor für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, stellt mit „Allgemeine Rhetorik" neun Rhetoriken vor, die beispielhaft Stationen der rhetorischen Quellengeschichte verkörpern. Der Bogen spannt sich von Aristoteles' „Rhetorik" (vor 347 v. Chr.) über Quintilians „Ausbildung des Orators" (um 96 n. Chr.) bis zu Chaim Perelmans „Das Reich der argumentativen Rhetorik" (1977). Joachim Knape ordnet und erläutert deren tragende Gedanken, so dass eine verständige Lektüre von Texten ermöglicht wird, die z.B. vor mehr als 2000 (Ciceros „Über den Orator") oder gar 2300 Jahren (Aristoteles' „Rhetorik") geschrieben wurden. (Beide Darstellungen sind bei Reclam erhältlich). Soweit dem interessierten Leser einzelne Rhetoriken nicht oder nur schwer zugänglich sind, erschließt ihm Joachim Knapes Arbeit (mittelbar) wichtige Zeugnisse der rhetorischen Historie. Dies gilt z.B. für Johann Christoph Gottscheds „Ausführliche Redekunst" (1736).
Didaktisch sinnvoll stellt Joachim Knape genuin neuzeitliche Termini neben traditionelle rhetorische Begriffe (z.B. „Sozialpsychologie" neben „éthos-Lehre", S. 48). Hierdurch werden die bis auf eine Ausnahme (Chaim Perelman) jahrhunderte oder jahrtausende alten Darstellungen in ein zeitgemäßes Licht gerückt. Und der dadurch bewirkte Grad von Verfremdung (Aristoteles als Sozialpsychologe) erschließt neue Bedeutungen der Texte.
Joachim Knapes besonderer Verdienst liegt in der Aufarbeitung von Notker Teutonicus' „Erneuerte Rhetorik" (vor 1022), Friedrich Riederers „Spiegel der wahren Rhetorik" (1493) und Petrus Ramus' „Anti-Quintilian" (1549). Denn endlich einmal wird einem großen Kreis von Lesern eine Brücke geschlagen zwischen antiker und moderner Rhetorik.
Bereichert wird das Buch durch 18 Abbildungen (z.B. auf S. 78 Miniatur aus dem 14. Jahrhundert zur „Rhetorik an Herennius" [um 84 v. Chr., Anonymus]) und biographische Angaben, die uns die behandelten Rhetoriker vertrauter machen (Petrus Ramus z.B., der Autor des „Anti-Quintilian" [1549], war in der berüchtigten Bartholomäusnacht ermordet worden [S. 325]).
Von Joachim Knape ist bei Reclam eine weiterer Text erschienen: „Was ist Rhetorik?" Wer mehr über den Autor erfahren möchte, suche die Homepage des Seminars für Allgemeine Rhetorik auf.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. Oktober 2001 |
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