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Spiegel und Münzen
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Man sollte hier kein Biopic über Klimt erwarten, sondern einen Film von Raoul Ruiz. Ruiz ist leider weniger bekannt als sein Nachahmer Peter Greenaway, obwohl Greenaway im allgemeinen weniger komplex und geistig herausfordernd ist. Das späte Leben Klimts bereitet Ruiz weniger als Nacherzählung, als Ersatzinformation für Lesefaule auf, sondern als einen filmischen Essay über Kunst als Abbildung oder Ergänzung der Welt. Es geht auch im Spiegel und Münzen: Spiegel stehen für Doppelung, und Klimt begegnet der Frau seines Begehrens nur als Doppelgängerin in Spiegelkabinetten. Münzen stehen für einander ergänzende Gegensätze, und auch davon strotzt der Film, schon allein in den oft verblüffenden Schnitten. Wie auch in anderen Filmen von Ruiz gibt es schwarzweiße Momente und mehrere Sprachen: Es wird (im Original) Englisch, Deutsch und Französisch gesprochen, auch hört man Latein und Chinesisch. Ruiz' Filme handeln stets von der Unvollkommenheit des Geistes, und so ist es kein Wunder, dass auch dieser mitunter ins Bizarre und Surreale hinüberreicht. Es gibt brüllkomische Einfälle (die Gorillamasken!), aber nichts davon ist unbegründet oder willkürlich. Den Film allerdings als informativen Historienfilm zu würdigen, ist hingegen ziemlich verfehlt. Auf seine Weise jedenfalls ist er großartig - Kino des puren Staunens.
Eine Rezension von Guido Sprenger > Münster
vom 23. Juni 2009 |