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Du wirst nie etwas Großes sehen, das nicht gleichzeitig auch mehr oder weniger entsetzlich wäre. (Picasso zu Gilot)
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Hätten die Macher dieses Filmes das zugrunde liegende autobiografische Werk von Francoise Gilot "Leben mit Picasso" wirklich verstanden, dann wäre ihnen die finanzielle Katastrophe, die dieser Film nach sich zog, vielleicht erspart geblieben, weil sie ihn dann nämlich nicht gedreht hätten. Er spielte in den USA gerade einmal etwas mehr als ein Zehntel der Kosten ein. In wirklich beeindruckenden Bildern wird uns die zehnjährige Beziehung der beiden Künstler erzählt, aus der zwei von Picassos zahlreichen Kindern hervorgingen. Der Zuschauer ist gefesselt vom Spiel der beiden hervorragend ausgewählten Darsteller, die den Originalen auch noch sehr ähnlich sehen. Dazu kommen die wirklich meisterhafte Schilderung des Milieus und die farbenfrohe Bildersprache dieses Films. Er ist wunderschön, solange man auch die Botschaft nachvollziehen kann, die er transportiert: Picasso ist ein egozentrischer Wüstling, der auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt, Francoise sein Opfer, das besser auf seinen Vater und die Großmutter gehört hätte anstatt sich mit einem vierzig Jahre älteren Mann und der Malerei einzulassen. Letztlich ist Francoise Gilot als einzige seiner Geliebten nicht an Picasso zerbrochen und hat ihn sogar verlassen. Diese Botschaft reflektiert auch der reißerische Originaltitel "Surviving Picasso".
Mir leuchtete allerdings ihre Schlichtheit im Hinblick auf das Werk des Malers überhaupt nicht ein. Ich verstand die Beziehung der beiden nicht wirklich und beschloss das Buch zu lesen. Und tatsächlich: Dem Film gelingt es nicht, uns die wirkliche Geschichte zu erzählen, weil man sie wahrscheinlich gar nicht bildlich erzählen kann. Vielleicht kann sie auch nicht jeder verstehen, denn dazu müsste man in der Lage sein, wie Picasso zu empfinden und zu denken.
Wir können nicht auf der einen Seite den Künstler verehren und auf der anderen Seite den Menschen in ein Schema pressen. Picasso passt in kein Schema, denn sonst wäre er nicht Picasso. Tatsächlich bestand zwischen ihm und Francoise Gilot eine sehr tiefe Bindung, die vor allem Picasso sofort bei der ersten Begegnung begriff. Sie war für ihn die einzige Frau, die ihn völlig verstand und wirklich liebte. Dennoch bekämpfte er seine eigene Liebe für sie, weil er intuitiv wusste, dass eine zu intensive Beziehung zu ihr seine Unabhängigkeit und künstlerische Kreativität zerstören würde. Picasso war ein Mensch voller Lebensenergie, der dauernd Neues ausprobierte. Er musste dazu frei und unabhängig sein. Andererseits liebte und verehrte er die Gilot und sehnte sich nach ihrer Liebe. Merkte er dies jedoch, dann wurde er wütend und grob zu ihr, weil er Angst hatte sich selbst zu fesseln. Sie war die einzige Frau, wenn nicht der einzige Mensch, der seiner überragenden Intelligenz gewachsen war. Picasso langweilte sich mit fast allen Menschen. Er wusste im Voraus wie sie reagieren würden, und es machte ihm Spaß damit zu spielen. Wir sehen das - wenn wir es denn wissen - beispielsweise an seinem üblen Umgang mit den Kunsthändlern. Allerdings fehlt uns hier zum völligen Verständnis der Anfang dieser Geschichte, nämlich das genau umgekehrte Verhältnis zu der Zeit als Picasso noch nicht berühmt war. Das alles und vieles mehr kann uns der Film nicht zeigen. Picassos Persönlichkeit und seinen wahrscheinlich enormen inneren Konflikten wird dieser Film nicht gerecht. Er verurteilt und vereinfacht. Das weiß man aber erst, wenn man das Buch seiner Gefährtin gelesen hat.
Fazit. Ein sehr schöner Film, der uns allerdings die wahre Geschichte nicht vermittelt oder nicht vermitteln kann. Ihn anzusehen war ein wirkliches Erlebnis. Und letztlich hat er mich dazu inspiriert das wunderbare Buch, auf dem er beruht, zu lesen.
Eine Rezension von Dr. R. Manthey >
vom 13. August 2008 | | | | | | | |
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