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Spannend, bewegend, tiefgründig
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

So wenig wie mir Kate Winselt in Zeiten des Aufruhrs gefallen hat, umso mehr überzeugt sie mich hier - auch wenn sie in diesem Film eine alles andere als romantisch Rolle übernimmt.

Der Vorleser ist eine Tragödie, die Tragödie einer Frau, die bei allen Vorzügen die sie haben mag einen Makel hat - sie kann nicht lesen. Eine Tatsache die ihr derart peinlich ist, dass sie sie streng genommen ihr Leben kostet. Und zugleich ist es die Tragödie eines Mannes, der seine große Liebe verliert, weil diese vor ihm und zugleich vor ihrer eigenen Unzulänglichkeit flüchtet - eine Tragödie zweier Menschen die vielleicht für einander bestimmt waren.

Weil sie nicht lesen kann, quittiert Hanna (Kate W.) Mitte der 30er Jahre ihren Job und wählt einen anderen - schicksalhaften Weg. Das wird ihr zunächst nicht zum Verhängnis, ganz im Gegenteil, denn in dem jungen und unerfahrenen Michael trifft sie einige Jahre später erst einmal ihren persönlichen Helden, einen Jugendlichen, der unwissendlich ihr Manko ausgleicht - indem er ihr Vorleser wird - und als Gegenleistung seine ersten Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht mit ihr sammeln darf.

Doch dann schlägt das Schicksal zu. Hanna muss sich verantworten für Dinge, die sie in ihrem seinerzeit neuen Job getan hat - oder zumindest getan haben soll. Sie hat kaum eine Chance sich zu wehren, wird von Mitbeschuldigten zum obersten Sündenbock erklärt, vor aller Welt für schuldig befunden. Auch vor den Augen ihres einstigen Liebhabers der mit Entsetzen nach und nach begreift was Hanna einst getan haben soll und wohl auch getan hat - der aber auch begreift warum sie es tat, was ihr nur untergeschoben wird, dass auch sie irgendwo ein Opfer ist - und der in Folge dessen mehr als alle anderen mit dem zu kämpfen hat, was vor seinen Augen geschieht.

Brillant gespielt, nicht minder überzeugend inszeniert- die schicksalhafte Geschichte zweier Menschen denen es nicht vergönnt war auf Dauer miteinander glücklich zu werden. Wie man zu den historischen Aspekten und dem Handeln der Personen im Bezug hierzu steht muss jeder für sich selbst entscheiden - am Ende bleibt es eine Tragödie, ein Melodram von Einzelschicksalen und der großen Frage nachdem warum alles so kommen musste.

Dennoch und bei aller Tragik hat der Film für alle ein Ende das sicher fernab von Romantik und Happy End, aber doch eine logische Konsequenz von dem ist, was zuvor geschah - wie erwähnt durchdacht und tiefgründig inszeniert von der ersten bis zur letzten Szene. Ein Film der sicher nicht im klassischen Sinne schön, aber ganze sicher sehenswert ist.








Eine Rezension von S. Gens >
vom 26. April 2010
Kundenrezensionen:
82. Ein guter Film
81. Schuldlos mit der Schuld leben
80. Spitzenfilm, wenig Extras
79. Spannend, bewegend, tiefgründig (die aktuell angezeigte Rezension)
78. Solide, aber nicht wirklich gut
77. Werkzeugkoffer
76. Ein Film mit Mängeln
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